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Unsere Suche nach alternativen Webanalytics Tools


Fabian Voss & Marie Glausch & Jonas Ludwig

9 Minuten

Immer wieder führen wir für unsere Kund:innen verschiedene Research Projekte durch und haben so zum Beispiel bereits nach Softwarelösungen für den Hochschulsport Paderborn recherchiert. Dieses Mal haben wir uns intern mit einem wichtigen und aktuellen Research Projekt beschäftigt: Um die Besuche unserer Website nachvollziehen zu können, setzten wir bis vor kurzem auf das vielfach verwendete Webanalytics-Tool “Google Analytics”. Doch plötzlich wurden auch wir mit der Frage konfrontiert: Brauchen wird bald eine Alternative zu Google Analytics?

Unter anderem durch ein Online-Seminar der IHK-Paderborn mit dem Titel “Wie sieht die Zukunft von Google Analytics aus” wurden wir auf künftige datenschutzrechtliche Herausforderungen bei der Verwendung von Google Analytics aufmerksam gemacht. Im Mittelpunkt stand ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, nach welchem die Speicherung von personenbezogenen Daten durch US-amerikanische Unternehmen nicht konform mit der Datenschutzgrundverordnung DSGVO sei. Dies treffe auch auf Google Analytics zu, selbst wenn damit erhobene, personenbezogenen Daten auf Servern innerhalb der EU gespeichert werden. Nachdem verschiedene Landesgerichte europäischer Länder die Rechtskräftigkeit des EuGH Urteils bestätigten, könne dies demnächst auch in Deutschland geschehen. Daher war es auch für uns höchste Zeit, nach rechtskonformen Webtracking zu recherchieren, diese zu testen und eine für uns passende Lösung auszuwählen.

1. Anforderungen definieren

Im ersten Schritt eines erfolgreichen Research Projekts konzentrieren wir uns auf die spezifischen Anforderungen an eine Softwarelösung. Auch in Bezug auf Webtracking haben wir uns daher zunächst überlegt, welche Features wir zu welchem Zweck benötigen. Dabei hinterfragten wir auch, was wirklich notwendig ist, sodass wir uns schließlich auf die wesentlichen Anforderungen konzentrieren und diese effektiv priorisieren konnten. Mit Blick auf unsere Unternehmenswerte bei enpit haben wir uns beispielsweise bewusst gegen personenbezogenes Tracking entschieden. Uns reichen die “oberflächlichen” Daten, damit wir einen Überblick über die wichtigsten KPIs (Key Performance Indicators) bekommen – nicht mehr und nicht weniger.

Nachdem die Entscheidung feststand – “Wir wollen weg von Google Analytics” - haben wir folgende Anforderungen an die neue Tracking-Anwendung definiert.

Wichtige KPIs/Faktoren für uns sind, ...

  • die Anzahl der Seitenviews,

  • die Absprungrate der Besucher:innen und in dem Zuge auch die Aufenthaltsdauer und die Visits,

  • die Keywords (Suchbegriffe) über welche die Nutzer:innen auf die Website kommen,

  • die Einstiegsseite, über welche die Nutzer:innen als erstes auf der Webseite landen,

  • die Geräte, die die Nutzer:innen verwenden (mobile, Tablet, Desktop).

Uns interessiert natürlich, wie viele Leute unsere Webseite besuchen. So ist es zum Beispiel gut zu wissen, welche Blogbeiträge euch besonders interessieren oder welche Referenzprojekte besonders häufig angeschaut werden. Auf Grundlage dieses Wissens können die Inhalte auch auf die Interessen der Nutzer:innen optimiert werden.

Für unseren Anwendungsfall sind die Anforderungen dementsprechend vergleichsweise übersichtlich, bei einem E-Commerce Unternehmen könnten die Tracking-Anforderungen beispielsweise schon viel umfangreicher ausfallen. Hier sind häufig mehr Daten von Nutzer:innen förderlich, um den User Flow zu analysieren, Kaufwünsche hervorzurufen oder beispielsweise E-Mail-Automatisierungen einzurichten.

Auf Grundlage dieser Anforderungen konnten wir anschließend prüfen, ob die Google Analytics Alternativen für unseren Anwendungsfall passend und konform mit dem aktuellen Rechtsrahmen ausfallen. Der Blick auf aktuelle Änderungen im europäischen und deutschen Datenschutzrecht war zugleich Anlass als auch Voraussetzung, um ein Tracking-Tool zu evaluieren und auszuwählen.

Um die Alternativtools, die für uns in Frage kommen, anschließend auch miteinander vergleichen zu können, haben wir Kriterien zur Gegenüberstellung definiert. Diese wurden folgendermaßen unterteilt:

  • Der Funktionsumfang: Wie umfassend sind KPIs messbar und welche weiteren Funktionen bietet der Anbieter über übliche Webanalytics-Funktionalitäten hinaus?

  • Die User Experience: Wie intuitiv gestaltet sich der Umgang mit dem Tool? Wirft die Nutzung Fragezeichen auf, oder ist mit wenigen Klicks ein Ziel verfolgt?

  • Das Interface Design: Ist das Dashboard übersichtlich und ansprechend gestaltet? Gibt es nette Zusatz-Features wie einen Dark Mode?

  • Die DSGVO-Konformität: Steht das Tool im Einklang mit der deutschen Rechtsprechung? Gibt es Grauzonen, die bedenklich wirken und ist die Datenspeicherung transparent?

  • Die Anpassbarkeit: Wie leicht lässt sich das Tool an eigene Bedürfnisse anpassen? Gibt es Möglichkeiten zur Individualisierung eines Dashboards oder weiterer Funktionen? Können eigene Code-Bestandteile integriert werden?

  • Der Preis: Wieviel kostet die Nutzung des Tools im Monat/im Jahr? Lohnt sich das Preis-Leistungsverhältnis?

  • Die Flexibilität: Wie flexibel kann ich meine Leistungen beziehen? Wie lange sind Laufzeiten und Kündigungsfristen? Wie ist der Preis gestaffelt?

  • Der Support: Wie gut erreichbar ist das Kundencenter? Welche Support-Möglichkeiten gibt es und wie schnell ist die Reaktionszeit?

2. Alternativen recherchieren

In diesem Anwendungsbereich gibt es natürlich schon eine Vielzahl an Alternativen, welche genutzt werden können. Welche davon in Frage kommt, ist abhängig von den individuellen Anforderungen an den Trackingtool-Anbieter. Uns war besonders wichtig, dass das Hosting in Europa stattfindet und es sich bei dem Unternehmen, von welchen wir die Software beziehen, um ein europäisches Unternehmen handelt.

Bei unseren Recherchen stießen wir auch auf Tools, wie z.B. Mapp, mit welchem sich verschiedene Vertriebskanäle tracken lassen. Nach kurzer Evaluierung stellten wir fest, dass dieses Tool einen zu großen Funktionsumfang für unseren Anwendungsfall besitzt. Für Anwender:innen größerer Unternehmen aus dem E-Commerce und Multichannel-Marketing lohnt sich in unseren Augen jedoch eine genauere Betrachtung.

In unserem Fall haben wir uns dazu entschieden, zwei Tools näher unter die Lupe zu nehmen: etracker und Matomo. etracker ist ein Anbieter aus Deutschland, Matomo wurde als Open-Source Tool vom etablierten Anbieter Piwik ausgegründet. Beide Tools entsprechen auf den ersten Blick unseren Anforderungen und gewinnen im europäischen Raum immer mehr an Beliebtheit.

3. Testphase

Um die beiden Tools parallel testen zu können, wurde jeweils eine Testphase abgeschlossen. Beide Tools konnten somit gleichzeitig die Websiteaktivitäten tracken und wir konnten die Daten miteinander vergleichen. Neben den Daten haben wir auch andere Faktoren verglichen und sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

Matomo

Vorteile:

  • Durch die Möglichkeit eines privaten Hostings ist es möglich die volle Kontrolle über eigene Daten und ihr Tracking zu behalten. Dieses Angebot ist zwar aufwendiger, die Nutzung von Matomo dafür aber kostenlos.

  • Matomo bietet umfassende Analysemöglichkeiten, die individuell angepasst werden können. Der Vorgang gestaltet sich dabei intuitiv und umgänglich.

  • Auch wenn auf den ersten Blick visuell nicht ganz so ansprechend wie das Dark-Design von etracker: Matomo ist übersichtlich aufgebaut und einzelne Darstellungen wie z.B. Besucherfluss (siehe unten: Abbildung zum User Flow) und Heatmaps für das Click-Tracking fallen besonders positiv auf.

  • Laut Vergleichsartikeln punktet Matomo in Gegenüberstellung mit Google Analytics: Besserer Datenschutz, mehr Funktionalitäten, bessere Datenqualität.

  • Bonuspunkt: Der Tag Manager ist ein praktisches Container-Tool für das Einbetten eigener Code-Bestandteile und zur Automatisierung von Marketing-Analysen. Matomo bietet hierbei einen geführten Ansatz an, um den Coding Aufwand für seine Nutzer:innen gering zu halten.

Nachteile:

  • Laut Rezension einiger Nutzer:innen stößt man bei Matomo häufiger auf Bugs. Wir konnten das bisher in unseren Tests nicht überprüfen.

  • Nicht selten stößt man auch auf Bewertungen hinsichtlich eines schwach ausgeprägten Customer-Supports. Dies könne zu erhöhtem Aufwand bei der Implementierung bzw. längerer Reaktionszeit führen.

  • Zu guter Letzt ist Matomo vergleichsweise teuer, was aus unserer Sicht an der Wahl der Preisstaffelung liegt. Für kleine Unternehmen sind 50.000 monatliche Seiteninteraktionen in der kleinsten Kategorie häufig zu viel.

Fazit:

Matomo scheint in seiner Funktionalität eine umfassende und DSGVO-konforme Alternative zum amerikanischen Giganten Google Analytics zu sein. Auch steckt der Anbieter Piwig mit Matomo als Folgeprodukt längst nicht mehr in den Kinderschuhen. Entgegen zahlreicher Rezension erscheint die Einrichtung einfach, allerdings hinkt auch der Customer-Support dem Standard anderer Anbieter nach.

User Flow Dashboard von Matomo User Flow Dashboard von Matomo

eTracker

Vorteile

  • etracker punktet mit seiner Optik. Beispielsweise präsentiert sich das Dashboard mit seinem schwarzen Hintergrund als modern und ansprechend.

  • Insgesamt wurde das Dashboard von etracker sinnvoll konzipiert, was uns vor allem durch eine gute Übersichtlichkeit auffällt.

  • Praktisch ist auch die Möglichkeit, das Dashboard und Funktionen individuell anzupassen. Hierbei werden eigene Ansichten erstellt, welche die benötigten KPIs optimiert abbilden.

  • Ebenfalls integriert sind UX-Analytics Elemente, wie Heat- und Scrollmaps. Diese gibt es zwar auch bei Matomo, allerdings überzeugt auch hier das Design von etracker.

  • Der Support ist werktags gut zu erreichen – das ist nicht nur wichtig, um Ausfälle und Fehler zu beheben, sondern auch, um Fragen bei der Implementierung telefonisch zu klären.

Nachteile

  • Trotz eingänglicher Übersichtlichkeit gestalten sich die Unterseiten bei etracker weniger intuitiv.

  • Im Gegensatz zu Matomo kann etracker nicht mit kostenlosem Hosting On Premises überzeugen - diese Option wird bisher nicht angeboten.

  • Auch ist kein Tag Manager verfügbar, der bei der weiterführenden Automatisierung von Marketingprozessen unterstützt.

  • Hinsichtlich Übersichtlichkeit und Funktionsumfang ist etracker nicht so nah an Google Analytics wie Matomo. Eine gewisse Umgewöhnungsphase sollte eingeplant werden.

Fazit:

etracker überzeugt mit einem anschaulichen Dashboard und bildet alle wichtigen KPIs ab. Zusatzfunktionen, wie zum Beispiel ein Tag Manager sind bisher nicht verfügbar. In Puncto Individualisierung einzelner Ansichten erscheint das Tool schnell unübersichtlich. Dafür punktet etracker mit einem gut zu erreichenden Support und einer guten Preisstaffelung.

Das Dashboard des Webanalysetools eTracker etracker Dashboard

Entscheidung und Evaluation

Im Anschluss an die Testphase haben wir eine Übersichtsmatrix erstellt und diese als Grundlage für die Entscheidungsfindung genutzt. Unsere Entscheidung fiel schlussendlich auf das Tool ‘Matomo’.

Beurteilungsmatrix für die Webanalysetools Matomo und eTracker Unsere Beurteilungsmatrix für Matomo (M) und eTracker (E)

Vor allem für kleinere Unternehmen bietet etracker das attraktivere Angebot, indem die kleinste preisliche Staffelung bereits bei 25.000 Seiteninteraktionen beginnt. Damit kann etracker von Unternehmen mit wenigen Seiteninteraktionen günstiger bezogen werden als Matomo. Allerdings ist das Angebot von Matomo monatlich kündbar, während die Mindestlaufzeit von etracker seine Kund:innen ein Jahr bindet.

Während unserer Recherche sind wir auch auf das Thema “cookieless” bzw. “consentless” Tracking gestoßen - also Tracking ohne Einwilligung von Seiten der Nutzer:innen. Hierbei kann durch verschiedene technische Merkmale eine individuelle Erkennung der Nutzer:innen generiert werden. Dies kann je nach Perspektive positiv oder negativ bewertet werden. Hier sei anzumerken, dass sowohl Matomo als auch etracker diese Funktion anbieten und etracker sogar aktiv damit wirbt. Wir haben uns an dieser Stelle gegen jede Form von cookieless oder consentless Tracking entschieden. Es bleibt spannend, wie sich dieser Sachverhalt zukünftig entwickelt.

Zusammenfassung

Im Zuge unseres internen Research Projektes haben wir uns einen Überblick über den Markt für Webanalytics Tools verschafft und schließlich die Lösungen Matomo und etracker intensiver getestet. Dabei haben wir festgestellt, dass Matomo für unsere spezifischen Anforderungen die passendere Wahl ist. Wenn auch ihr vor der Herausforderung steht, passende Softwarelösungen auszuwählen, dann kann enpit dabei gezielt unterstützen. Mit unseren Expert:innen für IT und Research helfen wir individuell passende Softwarelösungen zu recherchieren, welche im Einklang mit deinen Anforderungen und Unternehmenswerten stehen. Anschließend unterstützen wir auch gerne bei der Implementierung. Für mehr Infos buche dir gerne einen unverbindlichen Termin mit uns.

Mittwoch, 01.06.2022

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